Dreschen mit der Maschine oder mit dem Flegel?

 

Blickfang und Anziehungspunkt beim Treffen der Ackerschlepper war freilich ein Ungetüm von 

Dreschmaschine in voller Aktion. Die Freunde alter Landmaschinen aus Sottrum hatten sie hergebracht.

 

Und nicht nur die Dreschmaschine, sondern dazu etliche andere Geräte, die früher wie selbstverständlich zur Landwirtschaft gehörten, heute jedoch nicht mehr gebraucht werden. Dieser rührige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Gerätschaften zu sammeln, zu bewahren und vor allem auch zu zeigen, wie Landwirtschaft noch im vorigen Jahrhundert funktionierte. Das zeigten sie in mehreren Vorführungen in Oberneuland.

Beeindruckend an dem Riesenkasten mit seinem Innenleben sind die vielen Transmissionsriemen, Schwungräder, Zahnräder, Stangen und Kurbeln. Doch das galt es zunächst in Gang zu setzen. Dafür bedurfte es eines Treckers mit Riemenscheibe als Antrieb. Der musste erst einmal – rums, rums, mit einer Kurbel angeworfen werden. Hatte der die richtige Drehzahl erreicht, wurde die Kupplung angeschmissen und der Transmissionsriemen setzte sich in Bewegung. Die Dreschmaschine ratterte, schepperte, klopfte und schüttelte nun los. Inzwischen war Ralf Bade auf einer Leiter nach oben geklettert. Neben der Maschine auf einem Ackerwagen lagen gebündelte Korngarben, wie sie seinerzeit auf dem abgeernteten Feld eingesammelt wurden. Da stand Ulli Schreiber und warf mit einer zweizinkigen Gabel Garbe für Garbe mit Schwung nach oben zu Ralf Bade. Der schnitt das Band jeder Garbe mit einem scharfen Haken auf und warf alles in die Schüttöffnung. Jetzt nahmen die Garben ihren Weg zum Ausdreschen durch die Maschine. Von außen sah man nur noch das Ergebnis. An der einen Schmalseite nahm Ralf von Eitzen das leicht zusammengepresste Stroh heraus, auf der anderen achtete Hans Joachim Dodenhof darauf, dass die vier Leinensäcke ordentlich mit Korn gefüllt wurden. An der Längsseite rutschte zudem die Spreu, die leeren Ähren ohne ihr Korn, auf den Boden. Schließlich lud man die vollen Kornsäcke auf den nun leeren Ackerwagen. Damit konnte es zur Mühle gehen. Das leere Stroh auf der anderen Seite dient bekanntlich dem Vieh im Stall als Unterlage. Nicht jeder Bauer konnte sich eine Dreschmaschine leisten. Deshalb war sie transportabel auf zwei Achsen (oftmals mit Eisenrädern), und ihr Besitzer bot sie als Dienstleistung an.

Mit der großen Dreschmaschine allein war noch nicht alles gezeigt. Die Freunde alter Landmaschinen gingen eine Epoche weiter zurück und führten vor, wie man das Korn aus den Ähren heraus bekam, bevor es überhaupt Dreschmaschinen gab. Ulli Schreiber, Hermann Bruns und Volker Lange legten eine Plane aus und ein Brett darüber. Ein paar Korngarben wurden aufgeschnitten und draufgelegt. Dann nahm jeder einen Dreschflegel in die Hand, und zu dritt schlugen sie damit auf die Ähren ein. Immer im gleichen Rhythmus und immer im Kreis herum gehend. Eine schwere körperliche Arbeit bei einem vergleichsweise geringen Ertrag. Irgendwann wussten sie aus Erfahrung, wann es genug war, dann nahmen sie das leere Stroh weg. Ein Teil davon kam in einen Strohschneider und wurde gehäckselt für Viehfutter, zum Kompostieren oder als Silage. Auf dem Brett blieben leere Ähren und das ausgedroschene Korn zurück. Das wurde zusammengefegt und in den Windfeger, einige sagen auch Staubmühle, befördert, um die Spreu vom Weizen zu trennen. (Leute, ich hab's gesehen, das war Roggen – aber das Sprichwort passt hier so gut). Dieses Gerät musste sogar von Hand bewegt werden, während die anderen über Transmissionen betrieben wurden. Schließlich hatte mancher Bauer selbst eine Mühle, um Mehl für den Eigenbedarf zu mahlen. Auch das wurde hier vorgeführt.

Den Freunden alter Landmaschinen aus Sottrum gebührt ein großer Dank für diese eindrucksvollen Vorführungen. Ronald Grund von den Ackerschleppern sagt noch dazu: „Unser 10-jähriges Jubiläum sollte eine Veranstaltung sein, um den Dorfcharakter und Ursprung Oberneulands zu zeigen. Das ist uns, glaube ich, gut gelungen. Es war auch interessant, dass die Vereine die wir angesprochen haben sich zu präsentieren, sofort zugesagt haben. Heimatverein, Bürgerverein, die Imker, die Kleintierzüchter aus Mahndorf, der Infostand der Landesjägerschaft und die Gulaschsuppe der Freiwilligen Feuerwehr hatten einen regen Zulauf. Einen lieben Dank auch an unsere Frauen, die ein sehr geschmackvolles Kuchenbüfett präsentiert haben. Auch noch ein Dank an die Landwirte, die mir etwas über die Chronik und Motorisierung ihrer Höfe zukommen ließen. Das ist sehr gut angekommen und ich möchte das fortführen. Die Altenteiler sind die Letzten, die uns was erzählen können. Also schickt mir was her, die Fotos bekommt ihr natürlich zurück. Zum Abschluss noch ein Dank an alle Mitglieder der ASFO und Frau Iken, die dieses Fest mit auf die Beine gestellt haben.“ EM