Klassisch Heiraten

 

 

Das Hochzeitspaar lebt in Schweden, lernte sich auch dort kennen, aber kirchlich heirateten sie klassisch in der Heimat der Braut. Auch wenn die Planung nicht immer einfach war, so war das Ergebnis der schönste Tag des Lebens.

 

„Das müssen wir unbedingt nächstes Jahr noch einmal machen, es war so schön“, hat die gebürtige Oberneulanderin zu ihrem frisch getrauten Ehemann gesagt. Im Juni hatte sie ihren Freund geheiratet. Für sie war es von Anfang an klar, dass die kirchliche Trauung in ihrer Heimat sein sollte. Auch wenn das bei der Planung nicht immer ganz leicht war. „Meine Großeltern sollten mit dabei sein können.“ Und der Bräutigam war einverstanden.

Eine Idee, die natürlich einiges an Planung zusätzlich mit sich brachte. Angefangen von den Hotelzimmern für die Gäste aus dem Ausland bis hin zur geschickten Terminierung von Probeessen, Friseurbesuch und Make-up. Aber glücklicherweise konnte

sich das Paar nicht nur auf ihre Familien, sondern auch auf Freunde verlassen. „Freunde aus Hannover sind schon länger verheiratet, die haben uns zum Beispiel einen DJ und eine Fotografin empfohlen“, sagt sie. Als 

Oberneulanderin wählte sie die „klassische Variante“: Trauung in der Kirche und dann zur Feier zu Höpkens Ruh. „Als wir Weihnachten in Deutschland waren, haben wir uns mit Michael Klingler getroffen“, erzählt sie weiter. 

Sie kennt den Pfarrer schon seit ihrer Kindheit, er traute ihre Eltern, taufte und konfirmierte sie. „Ich finde es sehr wichtig, dass man ein persönliches Verhältnis zum Pfarrer aufbaut“, rät sie anderen Brautpaaren. Dass man einander so gut kennt, ist zwar nicht unbedingt gegeben. Aber für das Traugespräch sollten sich die Brautleute und der Pastor ausreichend Zeit nehmen. Je besser sie einander kennenlernen, je persönlicher wird die Predigt. „Bei uns hat Michael Klinger nicht nur sehr persönlich, sondern auch viel Englisch gesprochen, das war natürlich super für unsere Gäste.“

Mit Freundinnen machte sich die Braut auf den Weg, um das richtige Brautkleid zu finden. „In sieben Geschäften war ich“, sagt sie. „Und dann war es doch eher ein Zufallstreffer: Eine Freundin hatte mir als Tipp ein Bild geschickt, ich habe die Firma gegoogelt und ein Geschäft gefunden, das das Label vertritt. Aber das Kleid stand mir überhaupt nicht. Dennoch habe ich schließlich in diesem Geschäft mein Kleid gefunden.“ Wie vielen Bräuten ist es auch unserer Oberneulanderin ergangen: Das Brautkleid sah dann doch ganz anders aus, als sie es sich vorher vorgestellt hatte. „Beim Brautkleid kann man übrigens sparen, wenn man sich auch die Modelle der vergangenen Saison ansieht“, meint sie praktisch, schließlich will das Budget geschickt genutzt werden. Sie habe ein tolles Off-Season-Kleid gefunden. „Die Gäste erinnern Musik und Essen am meisten, da ist es sinnvoll an diesen Posten nicht zu sparen.“

Dennoch lief auch diese Hochzeitsvorbereitung nicht ohne dramatische Momente ab. Und die kann es auf allen Ebenen geben, von zu spät gelieferten Einladungskarten bis zum falsch gekürzten Kleid. Darum sollte ein Paar mit ausreichend Zeit planen. Bei unserem Paar lief alles glatt, auch  das Vorab- essen im Landhaus Höpkens Ruh: „Wahrscheinlich macht jedes Paar ein Probeessen. Unseres lief super”. 

Und auch am Tag der Hochzeit wurden sie von Frederike Schnitger und ihrem Team  toll unterstützt: “Der Service war super und das Essen perfekt.“ Nach der Kirche kam die Gesellschaft gerade noch trockenen Fußes ins Restaurant. „Wir allerdings nicht unbedingt vor die Kamera.“ Nach der Trauung ist das Paar mit der Fotografin zum alten Bahnhof gefahren und danach in den Park von Höpkens Ruh. „Als wir dort ankamen, war der Schauer vorbei und wir hörten die 

Gäste auf der Terrasse sprechen und lachen – das war sehr schön.“

Das Lachen und die Freude begleitete das Paar durch den Tag. Zu einer schwedischen Hochzeit gehört es, dass die Hochzeitsgesellschaft immer mal wieder ein Trinklied anstimmt und danach einen Kurzen kippt. Dieser Kurze war ein Himbeerschnaps, den das Paar selbst gemacht hat. „Außerdem haben wir über jeden Gast einen kleinen Text geschrieben und diese Texte, als Buch zusammengefasst, an jeden Platz gelegt.“ Wenn auf deutschen Hochzeiten Bestecke an Gläser geschlagen werden, heißt es, dass das Brautpaar sich küssen muss – in Schweden erklingt das Gläserkonzert, wenn entweder Braut oder Bräutigam während des Essens auf Toilette gehen.

 „Dann stehen entweder die Mädels oder die Jungs in einer Reihe, um schnell dem Bräutigam oder der Braut die Wange zu küssen.“

“Ich würde jeder Braut raten, die Frisur nicht nur zu besprechen, sondern auch wirklich auszuprobieren – und zwar so oft, bis sie ihr 100-prozentig gefällt und vor der Hochzeit entspannt sein kann.“ Sie spricht aus Erfahrung: Bei einem Besuch in Oberneuland hatte sie alles besprochen, aber kurz vor dem großen Tag stellte sich heraus, dass die Friseurin gar nicht mehr in diesem Geschäft arbeitete.

 „Meine Mutter hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt und schließlich haben wir sie über Facebook gefunden“, lacht sie. 

Das Make-up hat ihr die Freundin des Bruders gemacht. So wurde aus ihr eine wunderschöne Braut, die ihren aufgeregten Mann vor dem Altar anstrahlte. Ihr Vater führte sie dorthin – durch die vom Bräutigam und seinem Trauzeugen geschmückte Kirche. Den Antrag hatte er ihr 15 Monate zuvor in Budapest gemacht, nun stand er an der Seite von seinem Trauzeugen und Pfarrer Michael Klingler und wartete auf seine Frau. Ein Moment, den frau nie vergisst.

„Wenn man heiratet, haben alle Tipps und Vorschläge. Davon sollte man sich freimachen und ganz für sich als Paar überlegen, was wollen wir. Das fängt bei der Art des Festes an und hört bei der Kleidung auf. Ich wollte gern Schleier und Blumen im Haar, das hielten erst einige für übertrieben und versuchten es mir im Vorfeld auszureden, bis ich sagte ‚Ich will das aber so!’ Ich bin froh, dass ich mir selbst treu geblieben bin.“

Im Nachhinein würden die beiden genauso wieder feiern – ihre Mütter waren die Trauzeugen bei der standesamtlichen Trauung zwei Wochen zuvor, mit einem anschließenden Essen nur mit den Eltern und einer Feier mit Familie und Freunden nach der kirchlichen Trauung. Nur eines hätte die Braut geändert. 

„Ich hatte kurz vor der Hochzeit mit einem neuen Job begonnen und steckte bis über beide Ohren in der Arbeit – viel angenehmer wäre es gewesen, wenn ich vorher ein paar Tage Ruhe gehabt hätte.“ Aber – die gab es dann auf der Hochzeitsreise. AS