Oberschule Rockwinkel: Anders als die anderen

 

 

 

Die Oberschule Rockwinkel wurde jetzt als MINT-Schule ausgezeichnet.Eine Auszeichnung, die nicht mal eben verliehen wird, sondern für die eineSchule strenge Kriterien zu erfüllen hat.

 

„Wenn man im Bio-Raum einen Apfel hochhält, denkt jeder an Ernährung oder Pflanzenkunde, hält man ihn im Physik-Raum hoch, schließen die Schüler auf Schwerkraft und Newton und beim Darstellenden Spiel ist Wilhelm Tell die Assoziation“, erklärt Dennis Lorek. Und seine Metapher wird schnell klar: Faszinierend wird die Welt, wenn man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und verknüpft. Und genau das ist die Aufgabe der MINT-Schulen: Sie sollen Schüler für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern und das durch verschiedene Projekte, die in den Schulalltag eingebaut werden. Der tiefe Sinn: Es fehlt allenthalben an Fachkräften, Technikern, Ingenieuren, Visionären und Naturwissenschaftlern. Das tradierte Denken – Frauen für die Geisteswissenschaften und Männer ins wissenschaftliche Abenteuerland – ist überholt. Und seit rund zehn Jahren versuchen Unternehmer mit der MINT-Initiative Lehrer und Schüler für diese Berufe zu begeistern und in der Sekundarstufe 1 erste Samen zu streuen.

Es sind 14 Punkte, die eine Schule erfüllen muss, damit sie die Auszeichnung erhalten kann. Dazu gehören Zusatzangebote in den MINT-Fächern, und begleitende Wirtschaftspartner müssen gefunden werden. Drei Jahre gilt die Auszeichnung, dann wird erneut geprüft. 

Dennis Lorek ist an der Oberschule Rockwinkel der MINT-Koordinator. Er hat mehrere Monate alle Projekte zusammen-getragen und den Antrag gestellt. „Schon in der Zeit der Vorbereitung intensivierte sich der Austausch unter den Lehrern. Das war schon unser erster Gewinn“, hat Dennis Lorek festgestellt. In einem Lehrerzimmer bekommt man im normalen Schulalltag nicht alle Projekte der Kollegen mit, aber als sich der Koordinator auf den Weg machte, wurden die Ohren gespitzt. „Wir haben das Glück, dass wir gut in allen Naturwissenschaften besetzt sind und die Lehrer sehr engagiert“, sagt Dennis Lorek. Fächerübergreifend entwickeln sie Projekte und besuchen die Universität oder die Botanika.

An der Oberschule Rockwinkel haben die Schüler ab der fünften Klasse sogenannte Wahl-Pflichtfächer, das können Sprachen sein oder auch welche, die Klimakurs, Leben mit Plastik, Astronomie, Experimente oder Forschungsfeld Alltag heißen. Ob sich die Kinder am Strand oder an der Weser mit dem Thema Plastikmüll beschäftigen, Teleskope bauen, für Jugend forscht experimentieren oder im Olbers-Planetarium den Weltraum erkunden – die Lehrer sind bemüht, den Schülern die Welt auch außerhalb des Klassenzimmers begreifbar zu machen. 

„Unser Team weist viele Kompetenzen auf, die über das Unterrichten hinausgehen“, erklärt er die Lust der Lehrer zu den Projekten. „Ich habe Kollegen, die gleichzeitig Fachlehrer am Landesinstitut für Schule sind oder die eng mit der Uni zusammenarbeiten und dort Kurse geben. Ich selbst habe früher im Zarm gearbeitet, ein anderer immer noch im Olbers-Planetarium. So vereinigen wir Kompetenzen, von denen wir und die Schüler profitieren“, sagt der Koordinator.

Als die Schule sich vor der Jury gleich mit 20 Lehrern präsentierte, war diese beeindruckt von deren Engagement. Dennoch konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht davon ausgehen, dass die Schule das MINT-Zertifikat erhält.

Erst im Rahmen einer Feierstunde im MARUM, auf der Kirsten Wagner von der NORDMETALL-Stiftung sprach, erhielt die Schule das Siegel und eine Prämie von 2.000 Euro. Diese sollen in verschiedene Projekte fließen. Derzeit wird über eine „Junge Ingenieure Akademie“ nachgedacht, die einen bewussten Arbeits- und Berufswahl-Schwerpunkt haben soll.

Fakt ist, die Auszeichnung ist mehr als nur eine neue Plakette an der Schulwand: Die Mint-Schulen sind untereinander vernetzt, es gibt Fortbildungen und regelmäßige Treffen, von denen sowohl die Lehrer als auch die Schüler profitieren. 

„Wie sich das Netzwerk aufbaut, konnte man schon nach der Feierstunde sehen“, sagt Dennis Lorek. Sicher ist, dass MINT für mehr Termine in den Kalendern der Lehrer sorgt. Aber wie sagte Manager und Politiker Thomas Sattelberger einst auf einer vergangenen MINT-Veranstaltung zu den Schülern: „Weil an eurer Schule ein Lehrer zum MINT-Überzeugungstäter geworden ist und der Schul-leiter die Hand schützend über ihn hält, steht euch die Berufswelt offen.“ 

AS, Foto: Alexander Spiering