Wer flattert denn da?

 

 

Gefiederte Gäste im heimischen Garten

Der Winter hat uns noch im Griff. Weiße Nachtfröste überziehen Wiesen und Wälder. Die Zugvögel verbringen die kalte Jahreszeit im Süden. Es gibt jedoch auch zahlreiche Vogelarten, die hiergeblieben sind. Ihr natürlicher Rückzugsraum und das Nahrungs-

angebot gehen stetig zurück. Das Füttern von Vögeln im Winter hat bei uns eine lange Tradition. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Was Vogelfreunde in Oberneuland tun können, um den gefiederten Gartenbewohnern ein guter Gastgeber zu sein.

Am Futterhaus herrscht ein reges Treiben. Meisen, Spatzen, Finken und Co. haben sich eingefunden und flattern und picken munter vor sich hin. Die Vogelfütterung ermöglicht Naturkunde aus der ersten Reihe. Hautnah kann man sich beim Blick durch das Fenster an den wild lebenden Vögeln erfreuen und ihr Verhalten beobachten.

Welche Vogelarten stellen sich ein und wann? Wie wird das Futter bearbeitet? Wer zankt sich mit wem? Dabei kommen die Rangfolge und Charaktereigenschaften der Vögel deutlich zum Vorschein. Richtig umgesetzt ist die Winterfütterung Unterstützung und Naturerlebnis zugleich – und sie schärft unsere Wahrnehmung für die flinken Flugkünstler.

Doch worauf muss beim Füttern geachtet werden? Welche Futterbehälter eignen sich für die verschiedenen Arten? 

Und wie kann ich meinen Garten generell vogelfreundlicher gestalten? Das Oberneuland Magazin hat sich im Interview  mit zwei Experten getroffen, die in der Vogelkunde zuhause sind.

 

Henning Kunze vom BUND Bremen über Vogelschutz und geeignete Futterarten:

 

Die Bestände vieler heimischer Vogelarten haben in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Woran liegt das?

Der Mensch hat massiv in den Lebensraum der Wildtiere eingegriffen. Die Monokulturen in der Landwirtschaft lassen kaum Pflanzen- und Artenvielfalt mehr zu. Der Einsatz von Pestiziden führt zum Insektensterben. Die Vögel finden weniger Nahrung und Plätze zum Nisten. Sie sind der Indikator für die zunehmende Verarmung der Natur.

 

Ist aus Ihrer Expertensicht die Winterfütterung der Wildvögel sinnvoll?

Von der Vogelfütterung profitieren rund ein Dutzend Vogelarten wie Meisen, Finken, Drosseln und Rotkehlchen. Die meisten sind in ihrem Bestand auch in der kalten Jahreszeit nicht gefährdet, sodass ihre Population ohnehin stabil bleibt. Die Winterfütterung kann also nur einen kleinen Beitrag zum Artenschutz liefern. Sie ist jedoch ein unterstützendes Zusatzangebot zur natürlichen Nahrung und hilft den lokalen Vögeln bei Notlagen, wie einer geschlossenen Schneedecke. Dieses ersetzt natürlich nicht die notwendigen Maßnahmen zum Lebensraumschutz.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit einer Fütterung zu beginnen?

Damit sich die Vögel mit der Futterstelle vertraut machen können, sollte bereits im Herbst angefangen werden und nicht erst, wenn der erste Schnee gefallen ist. So speichern sie die Stellen ab und können sie bei Engpässen gezielt anfliegen.

 

Welche Futterarten gibt es?

Die wichtigsten Futtermittel neben Fett mit Hafer- und Weizenflocken und Erdnüssen sind die Sonnenblumenkerne. Es können aber auch Äpfel, Rosinen und Samen angeboten werden. Man kann die heimischen Vögel in die Gruppen der Körner- und Weichfutterfresser unterteilen. Die Vögel, die sich im Sommer von Insekten ernähren, fressen Weichfutter. Zu ihnen gehören z.B. Amseln, Rotkehlchen und die Heckenbraunellen. Die Finken, Goldammern und Haussperlinge sind Körnerfresser. Meisen gehören zu den Gemischtfressern.

 

Zu welcher Nahrung sollte ich lieber nicht greifen?

Manche Menschen füttern immer noch gerne Speisereste wie Nudeln, Pommes oder gekochte Kartoffeln. Alles, was gesalzen oder gewürzt ist, ist jedoch tabu. Auch bitte kein Brot anbieten, das im Magen der Vögel nur aufquillt.

 

Und worauf ist beim Futterkauf zu achten?

Das Futter sollte frei von Konservierungsstoffen und Pestiziden sein. Viele Vogelfuttermischungen enthalten außerdem Samen der Ambrosia – eine Pflanze, die sich in Deutschland immer mehr ausbreitet und die für uns Menschen hochallergen sein kann. Der Fachhandel bietet hochwertiges und naturbelassenes Futter an, das nicht durch billige Zusatzmittel aufgefüllt wird. Wer mag, kann auch Kerne und Flocken sortenrein kaufen und einfach selber mischen.

 

Sollten Vogelfreunde an einem Fütterungsplatz auch noch zusätzlich eine Trinkschale anbieten?

Unbedingt. Während längerer Frostperioden ist es für die Vögel oft schwierig, Trinkwasser zu finden. Die Vögel benötigen das Wasser auch zur Gefiederpflege und erfrieren nicht mit einem nassen Federkleid. So eine Tränke zieht viele Vögel an und erfüllt als schöner Nebeneffekt den eigenen Garten mit Leben und Gezwitscher.

 

Lesen Sie das zweite Interview im Oberneuland Magazin 2-2018.

 

 

WAS, WIE und WO: die richtige Vogelfütterung im Überblick

 

• Der passende Ort: 

Keine Nähe zu Fensterscheiben oder zu stark befahrenen Straßen.

 

• Guter Überblick für die Vögel: 

Größere Sicherheit, damit Gefahren, wie sich anschleichende Katzen, wahrgenommen werden.

 

• Bäume und Büsche in der Nähe: 

Sie bieten Versteckmöglichkeiten vor Fressfeinden.

 

• Mehrere Futterstellen, wenn möglich: 

Vermeidet Konkurrenz unter den Vögeln.

 

• Ein Futterhaus als „Vogelrestaurant“: 

Auf Dachüberstände achten, um das Futter trocken zu halten.

Ausreichender Abstand zwischen Boden und Dach, damit sich scheue Vogelarten hineintrauen.

 

• Auf strenge Hygiene achten: 

Regelmäßig mit warmem Wasser reinigen.

 

• Futtersilos oder Futtersäulen: 

Gute Möglichkeit der Vorratsfütterung, da das Futter nachrutscht.

Hohes Maß an Hygiene, da es kaum Verunreinigungen 

durch Kot gibt.

Auf seitliche Sitzgelegenheiten achten.

• Fütterungsunterbrechungen vermeiden: 

Vögel brauchen Verlässlichkeit.

 

• Winterfütterung bereits im Herbst beginnen: 

So können Stellen früh abgespeichert und bei Engpässen 

gezielt angeflogen werden.

 

• Keine Speisereste füttern, auch kein Brot: 

Alles, was gesalzen oder gewürzt ist, ist tabu.

 

• Achtsamkeit beim Futterkauf: 

Das Futter sollte frei von Konservierungsstoffen und Zusätzen sein – der Fachhandel informiert.

 

• Auswahl des Futters: 

Streufutter mit hohem Anteil an Körnern, Sonnenblumen-

kernen und Nüssen eignet sich für Körnerfresser wie Finken oder Sperlinge.

Weichfutterfresser wie Amseln, Rotkehlchen oder Hecken-

braunellen fressen Fettfutter.

 

• Meisen sind Gemischtköstler.

Willkommene Abwechslung für den Speiseplan: Obst, 

getrocknete Beeren, Rosinen, Sämereien und Flocken.

 

• An Trink- und Badestelle denken: 

Während längerer Frostperioden ist es für die Vögel oft schwierig, Wasser zu finden.

 

 

Große Buchverlosung: 10 x „Vögel füttern, aber richtig“

Ganzjährig füttern – ganzjährig helfen. 

Professor Peter Berthold und Gabriele Mohr von der Vogelwarte Radolfzell haben in vielen Jahren erforscht: Wer den gefiederten Gästen ganzjährig gutes Futter anbietet, schadet ihnen nicht, sondern leistet einen wichtigen Beitrag zum Vogelschutz! Erschienen im Kosmos-Verlag.

 

Einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse und dem Stichwort: 

„Vögel füttern, aber richtig“an gewinnspiel@oberneuland.info 

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Einsendeschluss: 19.02.2018.

Rechtsweg ausgeschlossen.

 

Foto: Edmund Mevissen