Wie riecht der Sommer?

 

 

Sommer

Ilse Kleberger (1921-2012)

Weißt du, wie der Sommer riecht?

Nach Birnen und nach Nelken, nach Äpfel

Und Vergissmeinnicht, 

die in der Sonne welken,

Nach heißem Sand 

und kühlem See 

und Nassen Badehosen, 

nach Wasserball

Und Sonnencrem’, 

nach Straßenstaub 

und Rosen.

 

 

Die Luft ist lau, die Wärme intensiv und der Geruch nach trockenen Gräsern und warmen Steinen ist unverwechselbar mit dem Sommer verbunden. In der Natur riecht es nach Wiesenblumen und frisch gemähtem Gras und Heu. Aus der Nachbarschaft weht der Geruch von Gegrilltem herüber und lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wir riechen Sonne auf der Haut, und der Duft von Sonnencreme vermischt mit einem Hauch von Salz oder Chlor beschwört unweigerlich glückliche Erinnerung an Meer und Pool herauf. Urlaubsfeeling für die Nase. Selbst der Regen scheint im Hochsommer anders zu riechen: staubig-mineralisch und sauber-erfrischend, sodass wir gerne einen tiefen Atemzug Sommerregenduft inhalieren.

 

Der Duft von Sommerregen

Wir lieben Sommerregen und seinen besonderen Duft. Doch riecht Regen wirklich nur im Sommer so speziell? Und wenn ja, warum eigentlich? Und was genau riecht da?

Das Rezept für den Geruch des Sommerregens stammt aus dem Chemiekasten der 

Natur und entsteht tatsächlich nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Es muss warm sein und vorher lange trocken.

 

Das typische Sommerregen-Aroma entsteht aus folgenden Zutaten:

1. Die Grundlage ist ein Konzentrat aus Pflanzenausdünstungen. Genau wie wir Menschen sondern Pflanzen rund um die Uhr chemische Stoffe ab: Pheromone, Salze, Talg und andere ölige Substanzen. Wenn es sehr lange trocken ist, bildet sich auf den Blättern und Halmen ein duftender Film aus ätherischen Ölen und anderen Geruchsstoffen.

 

2. Die zweite Zutat ist Geosmin. Es riecht modrig-erdig und ist ein Duftstoff, den bestimmte Bakterien im Boden absondern, die sogenannten Streptomyzeten. Bei Trockenheit sind diese Bakterien inaktiv und so sind sie dann geruchlich für uns auch unauffällig. Wird aber die Luft kurz vor einem Regenschauer feucht, fahren die Bakterien ihren Stoffwechsel hoch und produzieren das Geosmin in der warmen Sommerluft. Unser menschlicher Geruchssinn reagiert hierauf hochsensibel: Unsere Geruchsschwelle liegt bei 0,1 Teile pro Milliarde.

 

3. Als Letztes kommt noch eine Prise Steinstaub hinzu, also Mineralien.

Durch die platschenden Regentropfen wird der Geruch aus dem trockenen Boden und Pflanzenporen aufgewirbelt und der typische Duft von Sommerregen steigt in unsere Nasen.

 

Dieser Geruch hat sogar einen Namen: Petrichor. Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab. Das Wort petros bedeutet Stein und ist kombiniert mit Ichor, der Flüssigkeit, die, nach der griechischen Mythologie, in den Adern der griechischen Götter fließt.