Winterkinder - Blühende Pflanzen im Winter

 

 

Selbst zur kältesten Jahreszeit gibt es im Garten blühende Pflanzen. Ist für viele Pflanzen die kalte Jahreszeit ungünstig, nutzen die Winterblüher die Vorteile. Das nicht vorhandene Blätterdach lässt mehr Licht auf den Boden fallen. Auch die Pollen der sich durch Windbestäubung vermehrenden Pflanzen fliegen ungehindert durch Blätter von Blüte zu Blüte.

Star unter den Winterblühern ist die Zaubernuss, deren bizarre Blüten sich nach Art, Sorte und Witterung zwischen 

November und Februar öffnen. Ihr Farbspektrum reicht von leuchtendem Gelb (Hamamelis mollis) über intensives Rot (H. intermedia ‘Feuerzauber’), Bronze- und Zimtrot (H. intermedia ‘Diane’) bis hin zu samtigem Braun- bis Dunkelrot (H. intermedia ‘Ruby Glow’). Besonders effektiv schützt sich die Zaubernuss gegen starken Frost. Sie rollt ihre bandförmigen Blütenblätter zu Knospenschuppen zusammen. Erst bei Temperaturen über null Grad Celsius entrollt sie sie wieder.

Viele winterblühende Ziersträucher bestechen durch einen intensiven Duft wie die Schneeball-Arten Viburnum farreri und Viburnum bodnantense ‘Dawn’ mit rosafarbenen Blüten. Auch die Winter-Kirsche (Prunus subhirtella autumnalis) mit weißen halb gefüllten Blüten aus rosafarbenen Knospen gehört zu den Frühaufstehern im Jahr.

Auch die Haselnuss ist ein Winterblüher, auch wenn die Blüten nicht sehr spektakulär sind. Eine besonders interessante Form der Haselnuss ist die Korkenzieher-Haselnuss, deren Stämme und Zweige in korkenzieherartig verdrehter Weise wachsen. Diese Haselnuss-Sorte entstand um 1900 in England wahrscheinlich als spontane Mutation.

In milden Wintern öffnet der Seidelbast (Daphne mezereum) schon Ende Februar seine rosafarbenen Blüten.

Ein weiterer Winterblüher ist die zwei Meter hohe Winter-Mahonie (mahonia media winter sun), die in milden Wintern ab Januar lange, gelbe Blütenrispen ausbildet.

Bei günstigen Wetterbedingungen blüht die rotblühende Zierquitte (Chaenomelis) manchmal schon im Februar. Die Hauptblüte steht im März/April noch bevor. Später werden daraus gelbe Früchte wachsen, die man aus Heckenbepflanzungen und Parks kennt.

Einen ganz besonderen Duft verströmt in Wintermonaten die Schleimbeere Sarcococca hookeriana. Nicht nur ihre stark duftenden Blüten, auch die dunkelroten Triebe machen sie im Garten zu einer attraktiven Zierpflanze. Sogar in Balkonkästen blüht die Schneeheide während des gesamten Winters.

Der Winterjasmin benötigt eine Kletterhilfe und breitet sich bei ungenügendem Schnitt stark aus. Im tiefsten Winter öffnet er seine gelben Knospen und sorgt für interessante Farbtupfer bei Schnee und Eis. Auf der Erde liegende Zweige wurzeln schnell an und lassen neue Pflanzen entstehen. Frost schadet dem Winterjasmin nur bedingt, da sich seine Knospen nicht alle zur gleichen Zeit öffnen. Für stetigen „Blütennachschub“ ist also gesorgt.

Eigentlich ist Blaukissen kein Winterblüher, aber in milden Wintern öffnet diese Staude manchmal schon im Januar ihre blauen Blüten.

Der eigentlich bekannteste Winterblüher aber ist das Schneeglöckchen. Je nach Standort, Sorte und Winter blüht es ab Januar, manche Sorten auch erst im März.

Ein ganz typischer Winterblüher ist der Winterling (Eranthis), der aus dem Mittelmeerraum stammt. Er blüht oft bereits im Februar, an geeigneten Standorten in großen Mengen. Wenn im Winter die Temperatur über 10-12 Grad steigt, lockt er die ersten Bienen an und liefert Pollen und Nektar. In der Türkei werden jährlich Millionen von Winterling-Knollen in freier Natur gesammelt. Beim Kauf von Zwiebelpaketen sollte der Hobbygärtner unbedingt auf die Aufschrift „ausschließlich aus gärtnerischen Kulturen“ achten und von Importen aus Südosteuropa absehen. Damit könne man der „Wilderei“ in den Herkunftsländern von Winterlingen und Schneeglöckchen entgegenwirken.

Die Christrose (Schneerose – Helleborus niger) ist ein echter Winterblüher. Sie blüht je nach Witterung zwischen Dezember und Mai. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Christrose liegt in den Nord- und Südalpen, Apennin und nördlichem Balkan. Es gibt weiße, rötlich und lilafarbige Sorten, die bis zu 25 Jahre alt werden können. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet werden die Blätter durch Schnee geschützt, da sie frostempfindlich sind. Im Garten werden die Blätter oft braun, wenn es kalt ist und kein Schnee liegt. Die Pflanze mag einen schattigen Standort und fühlt sich unter einem Gehölz oder Strauch wohl.

Selbst im tiefsten Winter kann man in schneefreien Zeiten überall einen Winterblüher finden. Auf Wiesen wächst das Gänseblümchen in reinweißer Form oder mit weiß-violetten Blüten, aus denen dann die großblütigen Garten-Gänseblümchen gezüchtet werden, die größere Blüten haben, aber weniger winterhart sind. SvD