Zwischen Wildnis und Großstadt

Im Gegensatz zu den anderen Stadtteilen Bremens bietet Oberneuland ein Naturerlebnis der besonderen Art. Zum einen ist es ein Stadtteil einer Großstadt, zum anderen haben sich noch Teile des dörflichen Charakters erhalten. Und an Oberneuland grenzt eines der schönsten Naturschutzgebiete Norddeutschlands.

Geht man morgens zu Fuß oder fährt mit dem Rad durch Oberneuland, vermittelt einem die Geräuschkulisse der Vogelstimmen das Gefühl sich eher in einem Dschungel zu befinden, als in der Stadt. Durch die Parks, die großzügigen Gärten und das angrenzende Naturschutzgebiet besitzt Oberneuland eine sehr vielfältige Tier-und Pflanzenwelt.

Die Faszination der Fauna und Flora liegt in den Gegensätzen, die hier aufeinander treffen. Oberneuland zeichnet sich durch das Vorhandensein mehrerer bemerkenswerter Parkanlagen mit teilweise bedeutenden alten Baumbeständen aus, die natürlich einen Gegensatz zum Naturschutzgebiet bilden. Kapitäne brachten von ihren Reisen seltene Pflanzen mit und mit diesen wurden die Parks bestückt. So sind teilweise sogar Mammutbäume zu sehen. Diese Parks bieten zugleich Lebensraum für zahlreiche Tierarten wie z.B. Vögel oder Fledermäuse. So werden in Muhles Park abgestorbene Bäume teilweise stehengelassen, um Spechten oder Eulen einen Brut-und Lebensraum zu bieten. Ein besonderes Erlebnis im Frühjahr, noch bevor die großen Bäume ihr Laub entfalten, ist die Blüte der Buschwindröschen, die unterhalb der Bäume weiße Blütenteppiche bilden. Im Mai schließt sich die Rhododendron- und Azaleenblüte an. Vertreter dieser Pflanzengattung sind in vielen Oberneuländer Gärten zu finden. Nicht nur in den Parks, sondern auch in den privaten Gärten finden sich seltene Pflanzen wie z.B. Fieberstrauch, japanische Aprikose oder eine Tokyo -Kirsche ebenso wie eine japanische Wildbirne.

Durch die Nähe zu den Parks und zum Naturschutzgebiet dringen auch viele Wildtiere in die Gärten ein. So ist es keine Seltenheit beim Frühstück einen Grünspecht zu beobachten, der den schönen englischen Rasen nach Ameisen absucht. Im Winter bedienen sich Eichhörnchen frech an den Vogelhäusern und es kann vorkommen, dass die teuren Rosenstöcke ein Opfer der Rehe werden. Bäuerliche Strukturen bieten Nistmöglichkeiten für Schwalben, Spatzen und Eulen in Scheunen oder Ställen. Gewöhnungsbedürftig ist der Anblick von schlaftrunkenen Dohlen, die aus toten Schornsteinen kriechen.

Oberneuland grenzt direkt an den Binnendeich und hinter diesem Deich liegt das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen. Auch hier schließt sich eine Vielfalt von Lebensräumen in der Flussaue Borgfelder Wümmewiesen an Oberneuland an: ungebändigte Wasserläufe, wasserreiche Sümpfe und Gräben sowie naturnahe bewirtschaftete Feuchtwiesen. Bremens größtes Naturschutzgebiet stellt eines der letzten ausgedehnten Feuchtgrünländer in Deutschland dar, das in den wasserreichen Winter-und Frühjahrsmonaten immer wieder vom Fluss überschwemmt wird. Diese Sumpflandschaft bietet zahlreichen Tier-und Pflanzenarten ein Zuhause so z.B. Rotschenkel, Wachtelkönig, Graureiher, Zwergschwan, Kiebitz, Austernfischer, Wasserhahnenfuß, Pfeilkraut und Mädesüß. Im Winter werden die Borgfelder Wümmewiesen von zahlreichen Zugvögeln als Rastplatz genutzt. Im Winter ist diese Landschaft von herber Schönheit. Ein Spaziergang oder eine Radtour durch das Naturschutzgebiet hat zu allen Jahreszeiten was zu bieten.

Dies alles macht den besonderen Reiz der Fauna und Flora Oberneulands aus und diese Vielfalt haben die wenigsten Stadtteile aufzuweisen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Artenreichtum auch in der Zukunft erhalten bleibt.

Autor: C. Vajen